WM-Quali: Von Spanien auf die Seychellen
Globaler High Noon
Text: Max-Jacob Ost Bild: Imago
Für viele Mannschaften geht es in wichtige Spiele. Trainer fürchten die Entlassung, Spieler die Blamage und sogar Politiker blicken gebannt auf den Rasen. Wir haben die interessantesten Länderspiele zusammengestellt.

Spanien - Bosnien-Herzegowina
Natürlich eröffnen wir diesen kleinen Überblick mit der Partie des amtierenden Europameisters Spanien. Allein die Namen der zwei neuen Trainer sind spektakulär, sorgen sie doch schnell nacheinander ausgesprochen für Zungenkrämpfe: Vicente del Bosque, Miroslav Blažević, Vicente del Bosque, Miroslav Blažević.

Der Leser sei gewarnt: Wer diese Zeile zu oft wiederholt, riskiert einen schlimmen Zungenmuskelkater, der dem eines angehenden Erotikdarstellers in nichts nachsteht. Doch zurück zum Sportlichen: Bei den feurigen Südeuropäern könnte Supertalent Bojan Krkic zu seinem ersten Einsatz im spanischen Team kommen. Er wurde für den verletzten Spieler nachnominiert, der bestimmt heute noch in feuchtschwülen Angsträumen von Philipp Lahm und Jens Lehmann vorkommt: EM-Finaltorschütze Fernando Torres. Torres wird sich die schweigsamen ersten Minuten der Partie im Fernsehen ansehen müssen. Warum schweigsam? Beide Länder verfügen über Hymnen ohne Text. Nicht einmal zu einem »Olé« hat es auf spanischer Seite gereicht.
Israel - Schweiz
Die bekanntesten Stirnfalten der Bundesliga gibt es in Israel zu bestaunen, wo Ottmar Hitzfeld zum ersten Pflichtspiel als Trainer der Schweiz antritt. Keine leichte Aufgabe, denn die Israelis haben in der vergangenen Europameisterschaftsqualifikation gezeigt, wie stark sie sind: Punktgleich mit England verpassten sie die EM nur denkbar knapp. Ziel von Hitzfeld wird sein, an die engagierten und kämpferischen Auftritte der Schweiz bei der vergangenen EM im eigenen Land anzuknüpfen. Mit dem Unterschied, dass man nun damit auch Erfolg haben möchte. Gegen Israel wird sich zeigen, ob Mathematiklehrer Hitzfeld schon die richtige Formel für das eidgenössische Spiel gefunden hat.
Österreich - Frankreich
Karel Brückner bereitet das Wort »Ruhestand« wahrscheinlich Albträume, ansonsten würde er sich nicht von einem anstrengenden Traineramt in das nächste stürzen. Auf dem besten Wege der Joopi Heesters im internationalen Fußball zu werden, beginnt der 68-Jährige nach sechs Jahren als Coach der Tschechen nun im Fußballentwicklungsland Österreich aufs Neue. Wie man Deutschland aus der EM kegelt, hat er schon 2004 bewiesen. Nun muss er zeigen, ob er aus vielen jungen Talenten eine konkurrenzfähige Mannschaft aufstellen kann. Während Brückner auf die Rückendeckung und Geduld der Ösis hoffen kann, ist die Lage für seinen Gegenüber Raymond Domenech schon prekärer. Obwohl in der Euro 08 als Gruppenletzter ausgeschieden, darf er »Les Bleus« zu WM 2010 nach Südafrika führen. Für Misserfolge ist auf diesem Weg jedoch kein Platz.
Georgien - Irland
Leider steht bei dieser Partie nicht nur das Sportliche im Vordergrund: Wegen der politischen Ereignisse in Georgien wurde das Spiel an einen neutralen Ort verlegt und findet nun im Mainzer Stadion »Am Bruchweg« statt. Allerdings ist das Spiel auch aus sportlicher Sicht interessant, treffen in Mainz doch zwei europäische Erfolgstrainer mit ihren neuen Mannschaften aufeinander: Nachfolger von Klaus Toppmöller bei den »Willies des Weltfußballs« Georgien (Kobiashwili, Iashwili, Schaschiaschwili, usw.) ist Hector Cuper, der unter anderem schon den FC Valencia und Inter Mailand trainierte. Auf der anderen Trainerbank wird ein aus der Bundesliga bekanntes Gesicht Platz nehmen: Giovanni Trapattoni.




