Steuerfahndung auf Schalke
Geldfluss versiegt in Monaco
Text: Johannes Nitschmann Bild: Imago
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der FC Schalke millionenschwere »Schwarzlohnzahlungen« an Victor Agali geleistet hat. Die Ermittlungen führen zurück in die Zeit von Assauer und Möllemann.

Die drei Beamten der Dortmunder Steuerfahndung zückten einen vierseitigen Durchsuchungsbeschluss, als sie am 28.August die Geschäftsstelle des FC Schalke 04 aufsuchten. Unter dem Aktenzeichen 307 Js 73/08 hatte das Essener Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft bei dem Gelsenkirchener Fußball-Bundesligisten eine Steuer-Razzia angeordnet. In den Schalker Geschäftsräumen (»einschließlich aller Nebenräume wie Keller, Dachboden, Garagen und sämtlicher im Besitz befindlichen Kraftfahrzeuge«) sollten die Fahnder alle auffindbaren Unterlagen über den Transfer des Stürmers Victor Agali sicherstellen. Die Essener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass von Schalke über dubiose Auslandskonten in Liechtenstein und Monaco an Agali millionenschwere »Schwarzlohnzahlungen« geflossen sind.

Der Transfer liegt sieben Jahre zurück. Inzwischen geht Agali, einst nigerianischer Nationalspieler, für den griechischen Erstligisten Skoda Xanthi auf Torejagd. Als die Gelsenkirchener den kopfballstarken Stürmer im Sommer 2001 vom FC Hansa Rostock verpflichteten, hatten auf Schalke Rudi Assauer als Manager und Jürgen W. Möllemann als Aufsichtsratschef das Sagen. Agali wiederum hatte in Rolf Wegener einen Spielerberater an seiner Seite, der mit Möllemann und dessen Düsseldorfer Unternehmensberatung WebTec eng verbandelt war. Nach dem mutmaßlichen Freitod des geschäftlich und politisch in die Enge geratenen FDP-Politikers im Juni 2003 entpuppte sich die WebTec bei den Fahndern als Briefkastenfirma und Geldwaschanlage.
Als Spielerberater hat Wegener keinen guten Leumund in der Fußballbranche. Der 62-jährige Düsseldorfer Kaufmann, der seit Jahren im Steuerparadies Monaco lebt und gelegentlich auch in Rüstungsgeschäfte verwickelt war, handelt mit nigerianischen Nachwuchsfußballern wie ein Broker mit Optionsscheinen. Wegener kauft den bettelarmen Vereinen in Afrika ihre Talente ab, lockt sie nach Deutschland zu kleineren Vereinen wie Fortuna Düsseldorf oder Wattenscheid 09 und spekuliert auf den steigenden Marktwert der Spieler.
»Skrupelloser Menschenhandel«
Für Wegener, dem kirchliche Organisationen »skrupellosen Menschenhandel« vorwerfen, sind Investitionen in Fußballerbeine ganz gewöhnliches Risikokapital. Erfahrungsgemäß müsse er 70.000 bis 100.000 Dollar für Transferentschädigung, Reisekosten, Unterbringung, Verpflegung und medizinische Betreuung in einen afrikanischen Spieler investieren, um ihn im Profi-Fußball unterzubringen, offenbarte Wegener vor Jahren der SZ. Deshalb binde er Kicker-Talente frühzeitig über individuelle Berater-Verträge an sich, »um die Chance auf einen Rückfluss des einzusetzenden Risikokapitals und einen eventuellen Ausgleich der Risiken des Totalverlustes bei nicht reüssierenden Spielern zu haben«.
Bei Stürmer Agali, der bereits im Alter von 17 Jahren Torschützenkönig der zweiten nigerianischen Liga war, hat sich das vermeintliche Risiko Wegeners offenkundig ausgezahlt. Über Sporting Toulon und Olympique Marseille lotste der Spielerberater seinen Klienten in der Saison 1998/1999 zu Hansa Rostock. Zwei Jahre später dann - Möllemann hatte seinen zwielichtigen Spezi Wegener bei Schalke 04 eingeführt und hoffähig gemacht - wird sich Agali mit den Schalkern handelseinig.
Ein teurer Deal. Der Klub zahlt an Rostock eine Ablösesumme von 8,9 Millionen Mark, Agali selbst erhält ein Monatsgehalt von 250000 Mark. Schließlich stellt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Albert M.Tilmann den Schalkern am 27. September 2001 insgesamt 290.000 Mark als »anwaltliche Beratungskosten« bei dem Agali-Transfer in Rechnung. Tilmann, ein auf Agrarhandel spezialisierter Jurist, gilt in der Fußballbranche als Strohmann von Wegener, der mangels eigener Fifa-Spielervermittler-Lizenz bei Transfergeschäften einen Anwalt hinzuziehen muss.
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